Schweizer Firmen bekennen sich öffentlich zu älteren Mitarbeitenden. Doch in der Praxis werden Über-55-Jährige systematisch benachteiligt – das zeigt eine neue Umfrage.
In Kürze:
- Eine aktuelle Studie offenbart Diskriminierung älterer Mitarbeitender in 77 Prozent der Unternehmen.
- Personalverantwortliche beklagen fehlende Unterstützung der Geschäftsleitung bei der Altersinklusion.
- Die meisten Firmen beschränken Fördermassnahmen auf Gesundheitsmanagement oder flexible Arbeitszeiten.
- Informatiker verschickt 5000 Bewerbungen mit einem Klick
Eine neue Untersuchung des Outplacement-Unternehmens von Rundstedt zeigt laut dem SRF deutliche Diskrepanzen zwischen den öffentlichen Bekenntnissen und der tatsächlichen Personalpolitik vieler Schweizer Firmen im Umgang mit älteren Mitarbeitenden. Befragt wurden über 1500 HR-Manager und Führungskräfte, davon 1436 in der Schweiz. Die Ergebnisse gelten laut den Studienautoren als repräsentativ für alle Branchen und Unternehmensgrössen und wurden durch eine Parallelbefragung im Ausland bestätigt.
Zwar betonen Unternehmen regelmässig, ältere Mitarbeitende seien angesichts des Fachkräftemangels unverzichtbar. In der Praxis zeigt sich jedoch ein anderes Bild: 77 Prozent der befragten Personalverantwortlichen beobachten in ihren eigenen Firmen eine Benachteiligung von Beschäftigten über 55 Jahren. Viele HR-Fachleute gaben an, sie würden die Generation 55 plus gerne stärker fördern, gezielt rekrutieren und auch über das ordentliche Pensionsalter hinaus beschäftigen – in der Realität fehle es aber an der nötigen Flexibilität und Unterstützung durch die Unternehmensleitungen.
Klassisches Vorurteil: Ältere Mitarbeitende vor allem an Frühpensionierung interessiert
Laut Pascal Scheiwiller, CEO von Rundstedt, halten viele Arbeitgeber weiterhin an der Annahme fest, ältere Mitarbeitende seien in erster Linie an einer Frühpensionierung interessiert. Dieses Vorurteil führe dazu, dass Massnahmen meist auf Gesundheitsmanagement oder flexible Arbeitszeiten beschränkt blieben. Programme zur Talentförderung, Weiterbildung oder zur aktiven Einbindung älterer Mitarbeitender seien selten.
Scheiwiller fordert deshalb ein Umdenken in den Chefetagen. Geschäftsführungen und Verwaltungsräte müssten die Altersinklusion konsequent vorleben und als strategisches Ziel verankern. Ziel müsse es sein, Mitarbeitende unabhängig vom Alter zu fördern und langfristig im Unternehmen zu halten. Angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels sei dies nicht nur volkswirtschaftlich sinnvoll, sondern auch im Interesse der Beschäftigten selbst, betont der Arbeitsmarktexperte.
Die detaillierten Ergebnisse der Studie werden im November vorgestellt.
Schweizer Unternehmen planen Jobabbau im Inland und Ausbau im Ausland
Unabhängig von Altersdiskriminierung blicken laut einer weiteren Umfrage des Beratungsunternehmens Deloitte viele CFOs angesichts des starken Frankens und der im August eingeführten US-Einfuhrzölle pessimistisch in die Zukunft. Ein Drittel der 119 befragten Finanzverantwortlichen rechnet mit einer negativen oder sehr negativen Wirtschaftsentwicklung, während nur ein Viertel optimistisch bleibt.
Die schwierigen Rahmenbedingungen schlagen sich auch in der Personalplanung nieder. Mehr als ein Drittel der Finanzchefs (37 %) erwartet in den kommenden zwölf Monaten einen Stellenabbau in der Schweiz. Gleichzeitig planen ähnlich viele Unternehmen (35 %), Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern und dort Personal aufzubauen. Deloitte sieht darin ein klares Signal, dass der internationale Wettbewerbsdruck auf den Wirtschaftsstandort Schweiz weiter zunimmt.